Knast

Ich habe die Steine getragen,
habe mitgeholfen,
das Wasser heranzuholen,
habe mitgeholfen, den Zement anzurühren.

Ja, ich habe sogar mitgeholfen,
die Mauer mit hochzuziehen,
von dem Gefängnis,
das Einsamkeit heißt.

Doch ich habe Einspruch eingelegt,
Einspruch auf Freiheit,
Einspruch auf Hoffnung,
Einspruch auf ein kleines Stück
Glück.

Charly

Herzlich Willkommen

Charly lebt auf der Straße und spielt mit anderen Obdachlosen der Kölner Berberbühne Theater.Im Rampenlicht stehen, Applaus bekommen, Wertschätzung erfahren und Spaß am Theaterspielen - das waren die Beweggründe der Obdachlosen, die vor 12 Jahren den Aushängen und Flugblättern von Inge Münzner folgten und zum ersten Treffen und zum Theater kamen. 
Mit Obdachlosen Theater spielen heißt auch mit einer immer wieder neu zusammen-gesetzten Gruppe zu inszenieren und bedeutet eine große Herausforderung an Improvisation, Flexibilität und Kreativität der Regisseurin Inge Münzner.  
Die Lebensbedingungen auf der Straße bringen Fluktuation mit sich, einige haben schwere Krankheiten und auch der Tod überschattete den Probenverlauf der verschiedenen Produktionen. Einschneidende Erfahrungen für die Mitspieler, aber sie machten weiter…, und vor allem sie brachten das Stück zur Aufführung.
Von der ersten Gruppe ist nur Rhonda mit viel Leidenschaft bis heute dabei geblieben, neue sind dazugekommen (Mazi, Horst, Alfred, Susanne…) und wollen unbedingt weitermachen.

Persönliche Grenzen der Mitspieler, u.a. beim Textlernen machen immer wieder Uminszenierungen erforderlich. Die Rollen werden entsprechend auf die Akteure zugeschnitten. „Das ist Theaterpädagogik, dass man findet, was da ist.“

(Inge Münzner im Interview mit Carolin Seeliger)

Neben aller Authentizität ist dennoch klar: die Person des Spielers und die Rolle, die er spielt, sind nicht identisch. Es geht nicht darum, die Einzelschicksale der Akteure zu beleuchten. Vielmehr möchte die Regisseurin den Mitspielern die Sprache des Theaters als künstlerischen Ausdruck an die Hand geben. Motivation der Obdachlosen – oder Berber, wie sie sich selbst nennen – ist es, auf diese Weise öffentlich wahrgenommen zu werden und Akzeptanz für ihre eigene Person und ihre Lebensform zu finden.

 

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